Kommentare in Blogs und Netzwerken sind wichtig? Am Arsch!

coca meme

Wer ein Blog betreibt oder regelmäßig in diesen liest, wird ein Pro-Argument für Blogs bereits mindestens 1.000 gelesen haben: „Kommentare sind wichtig für Blogs“ – so oder so ähnlich heißt es dann im Kern immer. Ich war so dumm und habe das lange Zeit lang ebenfalls geglaubt. „Dumm“ fragt ihr euch? Weil mir Kommentare auf den Sack gehen.

Kommentare sind an und für sich dazu da, um Diskussionen zu führen sowie Lob und (konstruktive) Kritik zu kommunizieren – im besten Fall jedenfalls. Konstruktive Inhalte sind gut, ich lasse mich gerne kritisieren, wenn es angebracht ist und der Ton stimmt. Wenn es die Leute da draußen also schaffen würden, ein gewisses Niveau zu halten, wäre auch alles in Butter und ich würde mich jetzt nicht dazu gedrängt fühlen, meiner lange angestauten Frustration mit diesem Beitrag (unstrukturiert) endlich Luft zu machen. Sicher: Es sind bei weitem nicht alle so scheiße, wie in den folgenden Zeilen umschrieben, trotzdem vermiesen die Stinker einem die Lust auf Kommentare gänzlich.

In der Praxis sieht das aber meist anders aus. Menschen sind nicht dazu gemacht, niveauvoll miteinander zu interagieren – dafür sind sie gemeinhin zu blöd. Statt nützlicher und interessanter Konversationen/Diskussionen sehe ich Hater, Fanboys, notorische Besserwisser, Vollidioten – überall. Nehmen wir das aktuellste Praxisbeispiel: Oliver hat drüben bei mobiFlip Stellung zum Thema bezogen, inwiefern das neu vorgestellte Galaxy S6 von Samsung eine iPhone-Kopie sei, denn dieser Vergleich ist seit der offiziellen Vorstellung am Sonntag in aller Munde. Die Quintessenz des Beitrags: Ähnlichkeiten bestehen (mehr denn je), Samsung „dreistes Kopieren“ zu unterstellen aber völlig überzogen.

Dann schaut man in die Kommentarsektion und man bekommt das Gefühl, dass die Hälfte der Leute nur die Überschrift gelesen haben, ihre rosarote Brille aufsetzen und sich auf den Schlips getreten fühlen. Das wiederum führt dazu, dass man den Beitrag entweder nicht liest oder sich den Inhalt so zurechtrückt, wie es einem passt; um (mehr oder minder) Stunk zu verbreiten. Da nimmt man dann gerne mal einen Satz aus dem Kontext, schwurbelt ein paar Zeilen drumherum und hatet drauf los. Da bist Du dann plötzlich (mal wieder) ein Apple-Fanboy, schaust auf die rechte Seite des Tisches, vollgepflastert mit Smartphones aus allen Bereichen und fragst Dich, was derjenige eigentlich von Dir will. Es sind meist alte „Argumente“, die aber auch im Jahr 2015 noch genauso nervig sind. Wenn dem Leser Deine Nase nicht passt, hast Du verloren und auf ewig Deinen persönlichen Hater am Hals. Auch, wenn man die Dinge dann richtig stellt und den Kommentator darauf hinweist, dass er mit seinen Beschuldigungen völlig falsch liegt, ist man weiter der Vollidiot, denn irgendwie reimen die sich ihre Story immer so zusammen, dass sie in ihren Köpfen halbwegs Sinn ergibt.

Das läuft aber nicht nur bei Blog-Kommentaren im Tech-Bereich so; Gaming-Blogs/-Publikationen und deren Autoren werden z.B. ebenfalls ein Lied davon singen können. Keiner mag Kommentare, weil sich ständig dafür rechtfertigen muss, warum die eine Haarsträhne heute anders sitzt, als gestern. Soziale Netzwerke sind weitere Gebiete, die den fehlenden Sinn von Kommentarfunktionen großartig zeigen. In Facebook-, Google+- und YouTube-Kommentaren wird beleidigt und gehetzt bis es nicht mehr geht. Pewdiepie hat seine Kommentarsektion (leider nur zeitweise und insofern bei weitem nicht so konsequent wie angekündigt) deaktiviert, weil er einfach keinen Bock mehr auf den ganzen Scheiß hatte und ich für meinen Teil kann mich gut daran erinnern, wie man mir die Gaskammer wünschte, als ich mich darüber echauffierte, dass sich einige in den Netzwerken über den Tod von Steve Jobs lustig machten und das feierten (den erwähnten Kommentar musste ich übrigens löschen).

Wenn Du Dich dann als Autor gegen Deine Trolle wehrst, wundern die sich plötzlich, dass Du nicht der Sparringspartner bist, der in Angst darüber, Leser zu verärgern, alles einsteckt. Sperrt man dann beleidigende Trolle aus seinen Kommentaren aus, sind diese geschockt und bellen „Zensur“, wollen Dir an den Kragen, drohen Dir mit sonstwelchem Bullshit. Alles schon erlebt in meinen viereinhalb Jahren als angeblicher Fanboy und Klicks generierende Pageview-Hure.

Kommentare haben ihre Daseinsberechtigung für mich verwirkt. Ein Mindestmaß an Anstand sehe ich in diesen Sektionen in den allerseltensten Fällen, beinahe ausschließlich aber Beleidigungen und Unterstellungen. Die romantisierte und angebliche Anonymität im Netz beflügelt das dann auch noch immer weiter. Menschen sind nicht dafür gemacht, sich mit einem Grundmaß an Respekt gegenüberzutreten und einem nicht den langsamen Krebstod an den Hals zu wünschen. Ich habe keinen Bock mehr auf Kommentare, von mir aus könnte jedes Blog, jede Publikationsplattform und jeder Online-Dienst sie abschalten. Ich würde nicht drum weinen. Und nein: Nicht in die Kommentare schauen, ist keine Lösung.