Kleine vs. große Testberichte und warum ich mich manchmal freue

Zuletzt habe ich auf Twitter mit einigen Tech-Genossen über die Länge von Testberichten diskutiert. Man muss dazu sagen, dass es zu später Abendstunde war, da kommt man schonmal auf solche Themen. Der Ursprung war im Prinzip der, dass ich derzeit an einem Testbericht über Windows 8 schreibe und ein paar Mal getwittert habe, dass der Test wohl länger wird.

Reaktionen kamen flott. “Länge ist kein Indiz für Qualität”, “ich würde mir nicht so sehr einen auf die Textlänge runterholen”, “Qualität statt Quantität” und “heutzutage will keiner mehr lange Tests lesen” waren die, die hervorstachen. Ich will dieses Thema an dieser Stelle mal aufgreifen und mich gleichzeitig gegen diese Aussagen wehren.

Vorher will ich aber anmerken, dass ich niemanden persönlich diffamieren will. Deswegen nenne ich z.B. auch keine Namen, allerdings lassen sich aus den Aussagen allgemein umhergehende Thesen extrahieren. Um genau diese geht es mir.

1. Quantität ungleich Qualität?

Das muss man differenziert betrachten. Man kann auf keinen Fall sagen, dass das Eine das Andere unbedingt einschließt. Trotzdem haben gute Testberichte in den allermeisten Fällen eine entsprechende Länge. Natürlich würde man zu einem kleinen Gadget keine 3.000 Worte schreiben, aber bei einem großen und umfangreichen Thema, wie einem Smartphone, einem neuen Betriebssystem, oder dergleichen ist es beinahe unabdingbar. Es gibt schlicht so viele Aspekte, die man dann beachten muss und auf die man eingehen sollte. Diese mit Pro und Contra zu betrachten, Schlüsse daraus zu ziehen, Vermutungen anzustellen und eine eigene Meinung dazu abzugeben sind nicht in “kurrz und knackig” getan. Man muss dann doch Verbindungen ziehen, es plausibel erklären, ja überhaupt erklären!

Darüber hinaus ist eine bestimmte Textlänge durchaus ein Indikat dafür, dass sich der Autor mit dem jeweiligen Thema auseinander gesetzt hat. Ich kann auch “Das ist blöd” schreiben, wenn ich keine Ahnung vom Thema habe. Dann halte ich mich knackig und irgendwo auch präzise, wenn man es so will. Das ist aber keinesfalls glaubwürdig, weil man es schlichtweg nicht mit Argumenten bzw. Begründungen unterfüttert. Hat man sich mit dem Thema wirklich einhergehend auseinander gesetzt, werden die Texte automatisch länger, denn je mehr man über etwas weiß, desto mehr kann und wird man weitergeben. Sind Berichte kürzer gehalten, frage ich mich darüber hinaus oft, warum bestimmte Aspekte gar nicht erst angesprochen wurden. Die fehlen dann einfach. Es kann nicht das Ziel sein, Informationen zurückzuhalten, nur um den Text knackiger zu gestalten.

Ein wichtiger Aspekt ist darüber hinaus auch, dass längere Berichte, wie eben Tests, doch erst glaubwürdig und vor allem authentisch werden, wenn man alle Aspekte beleuchtet, seine Sichtweisen erklärt und Stellung bezieht. Erst dann kann sich ein solcher Text aus der Masse an Berichten abheben.

Ein Punkt, der mir persönlich ganz besonders an die Nieren geht, ist, wenn man per se sagt, dass Leser keine langen Texte mehr lesen wollen in der heutigen Zeit. Das stimmt schlicht und ergreifend nicht! Jeder, der ein eigenes Blog betreibt, wird bestätigen können, dass die längeren Texte mindestens auf dem Besucherdurchschnittswert sind, meistens darüber. Das ist bei mir nicht anders. Meine längeren Beiträge auf meinem Blog werden merklich öfter aufgerufen, als die kurzen, die jeder nach ein, zwei Tagen wieder vergessen hat. Darüber hinaus gibt es populäre Beispiele dafür, dass Leser längere und detailliertere Texte lesen und vor allem lesen wollen. Wäre The Verge ansonsten die am schnellsten wachsende Webseite in den USA? Testberichte, Features und Reportagen haben dort eine überdurchschnittlich ausgeprägte Länge und sind extrem detailliert. Trotzdem werden sie massenhaft gelesen, referenziert, verlinkt, angeklickt. Sicher gibt es einige, die sowas nicht lesen wollen. Ich wage aber zu behaupten, dass diese Gruppe eine Minderheit ist.

Per se kann man zwar natürlich auch nicht behaupten, dass längere Texte auch eine größere Qualität ausmachen – schließlich kann man selbstredend auch in 10.000 Wörtern 9.558 mal das Wort “bla” anstelle des eigentlichen Textes einsetzen, aber das ist eher die Ausnahme. Ich habe es ungleich öfter beobachtet, dass in kürzeren Texten schlichtweg der Informationsgehalt fehlt. Dann kratzt man an der Oberfläche, aber das war es dann auch schon. Viel mehr kommt dann nicht. Wie gesagt: Man kann die Dinge nicht absolut sehen, allerdings können Tendenzen aufgestellt werden und ich sehe die Tendenz ganz klar so.

2. Freude ist keine Onanie

Der zweite Punkt ist der persönliche Aspekt. Ich würde mir “einen darauf runterholen”. Ich weiß, dass die Person das nicht als persönliche Diffamierung gemeint hat, sondern mich nur trollen wollte – trotzdem will ich mich ein einziges Mal erklären, da ich das Gefühl habe, das das nötig ist.

Wenn ich ein paar Mal anmerke, dass ich einen längeren Text schreibe und mich darüber freue, dann – es kommt – freue ich mich darüber! Wieso freue ich mich darüber? Das ist ganz einfach: Ich blogge in einem Themenfeld, das stark auf der Variable “Zeit” basiert. Man muss schnell sein, Informationen müssen oft und in möglichst hoher Stückzahl wiedergegeben werden. Dagegen habe ich um Gottes Willen nichts, versteht mich nicht falsch. Allerdings sehe ich es als Luxus an, wenn ich mir für einen Beitrag mal eine gewisse Ruhe gönnen kann, um Dinge zu überdenken, gegeneinander abzuwägen, einfach ohne Druck drauflos zu schreiben. Das kann ich am besten und mag ich am liebsten. Ich habe nicht oft die Gelegenheit, um das auszuleben, um mir für Beiträge wirklich Zeit zu nehmen. Und wenn diese Zeit mal da ist, dann genieße ich es. Das ist z.B. auch der Grund dafür, warum ich in jedem Heimaturlaub in Cuxhaven viel blogge: Einfach, weil ich dort ungestört Zeit mit meinen thementechnischen Gedanken verbringen kann.

Twitter ist dann ein Kanal, auf dem ich das zum Ausdruck bringe. Wenn ich also freudig schreibe, dass Texte länger werden, dann hole ich mir keinen darauf runter, sondern ich freue mich schlichtweg auf ganz ehrliche Art und Weise darüber. Ich denke, dass man mir das ein Mal zugestehen darf, wenn ich mich den Rest des Tages nur über irgendwelche Sachen ärgere und auskotze. Wem das nicht gefällt, der kann dann gerne auf “Unfollow” klicken und damit hat sich die Sache. Ich bin euch nicht einmal böse deswegen, ich bekomme es wahrscheinlich nicht einmal mit, da mein Monitoring-Tool TWUnfollow kaum funktioniert und ich schlichtweg zu faul bin, um mich nach Alternativen umzusehen, weil mir die Frage, wer mir entfolgt, viel zu unwichtig ist.

Warum ich mich erkläre? Ich weiß es nicht genau. Vielleicht will ich nicht noch arroganter rüberkommen, als es so schon der Fall ist? Mag sein. Es musste eben einfach mal raus. Mir sind solche Dinge auch einfach ein ganzes Stück weit wichtig. Ich Interessiere mich für solche Dinge, bloggen ist ein großer Teil meines Lebens, den ich mit einer Menge Leidenschaft betreibe.

Generell kann ich zu dem Thema sagen, dass ich es nicht mag, wenn man etwas einfach allgemeingeltend über den Putz kehren will. Die Sache ist viel tiefgründiger und hat eine gewisse Bedeutung. Schließlich ist es der Job eines Tech-Bloggers Informationen weiterzugeben und diese sollten gefälligst plausibel und gut beleuchtet werden.